Praktisches und künstlerisches Arbeiten
Werken
Am lebendigen Werkstoff Holz ist über die Schuljahre hinweg Vieles zu entdecken, kein Stück gleicht dem anderen, so wie bei den Schülern auch. Nur mit Konzentration lassen sich die Werkzeuge sicher führen und es bedarf viel Geduld und Willensstärke bis auch der letzte Kratzer aus dem Holz herausgeschliffen ist und die Schüler voller Stolz ihre fertige Arbeit mit nach Hause nehmen können.
Musik
Unterstufe
Am Anfang der Schulzeit steht das Hören und Lauschen im Vordergrund, so soll das Empfinden für Musikalität, das in jedem Menschen angelegt ist, an die Oberfläche geholt werden. Kleine Erzählungen, Gedichte und Lieder werden mit Klanginstrumenten nachempfunden.
Im vierten Schuljahr soll das musikalische Empfinden des Kindes geerdet werden. Die ersten zweistimmigen Lieder werden eingeführt, einfache Taktarten erklärt und aufgeschrieben. In Verbindung mit der in diesem Schuljahr gelernten Bruchrechnung werden Notenwerte in den Takten gezählt und selber notiert. Takt und Rhythmus werden mit Hilfe der Rhythmusinstrumente immer stärker ins Bewusstsein gehoben.
Im fünften Schuljahr wird das Erlernte in verschiedenen kleinen Ensembles oder Gesangsstücken weiter angewendet. Die Schüler erhalten die Gelegenheit, verschiedene Instrumente auszuprobieren. Dazu kommt eine Wiederholung der Instrumentenkunde, um die Schüler umfassend auf die Bläserklasse im sechsten Schuljahr vorzubereiten.
Bläserklasse / Mittelstufe
Von der sechsten bis zur achten Klasse findet der Musikunterricht im Rahmen der Bläserklasse statt. Dies bedeutet, dass jeder Schüler in diesem Zeitraum ein Instrument erlernt und gemeinsam mit seinen KlassenkameradInnen in einem Klassenorchester musiziert.
Regelmäßige Proben im Klassenverband und in Kleingruppen auch Orchesterfahrten, die Freude am Üben und bereiten kleine Auftritte innerhalb und manchmal auch außerhalb der Schulgemeinschaft mit einem begeisterten Publikum und engagierten jungen MusikerInnen vor.
Oberstufe
Vom neunten Schuljahr an wird der Musikunterricht um die Musiktheorie erweitert. Zusätzlich gibt es vielfältige Angebote im Wahlpflichtbereich oder in freiwilligen Arbeitsgruppen um die Liebe zur Musik zu vertiefen und auszuleben wie in verschiedenen Instrumentalensembles von Klassik über Big-Band bis zur Soul- und Jazzformationen oder im Chor.
Gartenbau
Vom schön und naturnah gestalteten Schulhof mit Naschobst, Küchenkräutern und Weidentipis geht es im ersten und zweiten Schuljahr einmal in der Woche hinaus in den Wald. Begleitet und angeleitet von einer Naturpädagogin kommen die Kinder der Natur ganz nah und kommen oft aus dem Staunen über ihre Wunder und unbekannten Schätze nicht heraus!
Im dritten bis fünften Schuljahr wird der/die KlassenlehrerIn immer wieder Bezüge zu diesen Erfahrungen und Erlebnissen in seinem/ihrem Unterricht herstellen, bevor die Kinder der sechsten, siebten und achten Klasse sich der Natur im Unterricht erneut zuwenden.
Im Gartenbau kann nun gelernt und beobachtet werden, was geschieht, wenn überlegt in natürliche Prozesse eingegriffen wird. Die Frage „ Was muss ich tun, um im Juni saftige Erdbeeren zu ernten?“ ist dabei nur eine von vielen anderen, die zeigt, wie alles in einem Zusammenhang steht: der Umgang mit dem Kompost, mit biologischem Dünger, geeignetem Werkzeug, Sonne, Wind und Regen und nicht zuletzt mit der eigenen Geduld, dem eigenen Durchhaltewillen.
So erleben die Schüler, dass alles Tun in einen erlebbaren Sinnzusammenhang stellt. Stolz kann dann die Ernte von Gemüse, Salat, Kräutern und Obst in der Schulküche abgeliefert werden, von wo sie sich bald auf dem Mittagsteller wiederfinden und probieren lässt.
Ich werde tanzen lernen. Ich kannte bisher nur eine Weisheit des Hauptes und der Gedanken. Nun weiß ich, dass es auch eine Weisheit der Hände und Füße gibt.
SokratesEurythmie
Die Eurythmie begleitet die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch die gesamte Schulzeit. Sie arbeitet mit den Zukunftskräften des Menschen, sie fördert in hohem Maße die Selbstwahrnehmung, aber ebenso die Wahrnehmung des anderen, des Menschen neben mir, der Innen- und Außenwelt.
Gerade heute ist es für unsere Kinder so wichtig, ihren Körper als Bewegungs- und Ausdrucksmittel neu zu entdecken und zu schulen. Die einseitige Belastung des denkenden und konsumierenden Menschen sucht einen Ausgleich in gesunder körperlicher Bewegung und Anstrengung. Hierbei werden die Mittel der eurythmischen Bewegung so gewählt, dass sie kräftigend und harmonisierend wirken.
In den ersten Klassen geschieht dies vor allem durch heitere Bewegungsspiele. Die Kinder verwandeln sich zum Beispiel in wechselnde Märchenfiguren, schulen ihr Geschick in kleinen Tänzchen und Koordinationsübungen. Möglichst viele Sinne werden dabei regsam und lebendig angesprochen.
Während dies noch ganz aus der Nachahmung heraus geschieht, differenziert sich das Geschehen in den höheren Klassen allmählich in immer selbständiger zu ergreifende Bereiche, immer geschickter und selbstsicherer lernen die Kinder, sich zeitlich und räumlich zu orientieren, sich zu koordinieren und miteinander zu bewegen.
Gerade in der Mittelstufe, der Zeit der pubertären Turbulenzen, werden bewegte geometrisch exakte Raumformen erarbeitet, die durch ihre Gesetzmäßigkeiten den Wirren des Seelenlebens eine wohltuende und ausgleichende Wirkung entgegensetzen. Dies kann helfen, die eigene Mitte zu finden. Die Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen entfalten sich immer mehr zu eigenständigen Darstellungsweisen, deren Höhepunkte sich z.B. in Monatsfeiern und besonders im künstlerischen Abschluss der 12. Klasse zeigen.
Handarbeit
Gut für die Hände - gut für den Kopf!
„Hannah und Leon stricken ihre Socken selbst“ eine Behauptung, die oft ungläubiges Staunen auslöst, aber auf Tatsachen beruht. Hannah und Leon und alle anderen Mädchen und Jungen lernen vom ersten Schuljahr an nützliche Dinge zu häkeln, stricken, sticken, bis sie dann im neunten Schuljahr ein eigenes Kleidungsstück entwerfen und auf der Maschine nähen. Oft werden schon die ganz jungen SchülerInnen von Eltern und Großeltern bestaunt und bewundert, – zu recht, wie jeder weiß, der sich selbst aufmacht, z. B. das Stricken zu erlernen. Wie schön ist es zu erfahren, wie im Laufe der Übung ungelenke Finger immer geschmeidiger und geschickter werden und dass man mit Mühe und Konzentration sogar verlorene Fäden wiederfinden kann. Schon um einen kleinen Häkelball so zu fertigen, dass man damit spielen kann, braucht es zielgerichtete Konzentration, Ausdauer und die strenge Einhaltung bestimmter Arbeitsschritte.
Am praktischen Tun erleben die Schüler das, was ihnen in vielen anderen Bereichen in unterschiedlichen Facetten begegnet. Hier können sie sichtbar erleben, wie wichtig es ist, genau und fehlerfrei zu arbeiten. Sie lernen „die Fäden selbst in die Hand zu nehmen“.
Schauspiel
Am Ende der Klassenlehrerzeit in der achten Klasse und am Ende der Waldorfschulzeit in der zwölften Klasse befinden sich die SchülerInnen in einer Zeit mit einschneidenden Veränderungen im Schulleben und in der Persönlichkeitsentwicklung. In beiden Phasen ist hier im Lehrplan die Beschäftigung mit dem Schauspiel verankert, das mehrere zentrale Ziele verfolgt: künstlerische Entwicklung, persönliche Entfaltung, Förderung von Kreativität Ausdrucksfähigkeit und sozialer Kompetenz.
Durch das Theaterstück erfahren die SchülerInnen eine tiefe Auseinandersetzung mit den Emotionen und Gedanken ihrer Figuren, was zu einer stärkeren Empathie und Selbstreflexion führt.
Da Theater stets ein Gemeinschaftsprojekt ist, werden die SchülerInnen dazu angeregt miteinander zu arbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen und Verantwortung zu übernehmen - sei es auf oder hinter der Bühne.
Durch die Auseinandersetzung mit literarischen Werken, die oft tiefgründige moralische und ethische Themen behandeln, werden die Schüler angeregt über Fragen des Menschseins nachzudenken und ihre eigenen Werte zu reflektieren.
Darüber hinaus werden durch das Einüben von Texten, das Verstehen von Dialogen oder das Finden von Ausdrucksmöglichkeiten der Wortschatz erweitert und die Sprachkompetenz entwickelt.
Von besonderer Wichtigkeit ist dabei in der Umsetzung, dass die SchülerInnen an allen Phasen bis zur Aufführung beteiligt sind, was das Einbringen verschiedenster individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten ermöglicht in Bereichen wie:
Stückauswahl (Was passt zu unserer Klasse?), Rollenverteilung, Probenplan und -durchführung, Kostüme, Kulissen, Technik.
Das Schauspiel fördert die künstlerische, intellektuelle und soziale Entwicklung der SchülerInnen gleichermaßen und bereitet sie so auf vielfältige Weise auf das Leben vor.
Kunst
Ein zentrales Ziel des Kunstunterrichts ist die Förderung der kreativen Ausdrucksfähigkeit. Die SchülerInnen sollen angeregt werden, durch verschiedene Techniken wie Malerei, Zeichnung, Modellieren, Kollagen oder Drucktechniken ihr Erleben der Umwelt künstlerisch darzustellen. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen von Fertigkeiten, sondern vor allem um die Entfaltung der eigenen schöpferischen Potenziale.
Der Kunstunterricht ermöglicht es den SchülerInnen, ihre Wahrnehmung und Fantasie zu schärfen und sich auf individuelle Weise mit der Welt auseinanderzusetzen. Durch ästhetische Erfahrungen wird ein Gespür für Schönheit, Form, Farbe und Komposition zu entwickelt. Dies trägt zur Sensibilisierung der Wahrnehmung bei und fördert die Fähigkeit, Kunstwerke und die Welt um uns herum mit einem bewussteren Blick zu betrachten.
Darüber hinaus kann künstlerische Betätigung die Entfaltung einer positiven Selbstwahrnehmung unterstützen und helfen, die eigene Identität zu entwickeln.
Die Stärkung sozialer Kompetenzen wird durch kreative Projekte in Gruppenarbeit gefördert: die Schüler lernen ihre Ideen zu teilen, Kompromisse einzugehen und gegenseitig Verantwortung zu übernehmen.
Des Weiteren kann der Kunstunterricht durch Kombination von praktischen und theoretischen Inhalten Verständnis für übergeordnete Zusammenhänge vermitteln. Kunst wird dabei als ein Weg verstanden, das Leben in seiner ganzen Tiefe und Vielfalt zu erfahren und auszudrücken.

