Eiszeit, Sintflut und andere Katastrophen

Waldorfschüler zeigten: „Wir sind noch einmal davon gekommen“
von Thornton Wilder im Rahmen des Schul-und Amateurtheaterfestivals

Jedes Schuljahr wird an der Freien Waldorfschule von der 12. Klasse ein Theaterstück eingeübt und vor Schülern, Lehrern, Eltern und allen Interessierten an zwei Abenden präsentiert. Die Wahl der diesjährigen 12. Jahrgangsstufe fiel dabei auf das Stück „Wir sind noch einmal davongekommen“ von Thornton Wilder, ein sozialkritisches und komplexes Schauspiel, das unter der Leitung des freischaffenden Regisseurs Carl-Herbert Braun am Freitag, 13. und Samstag, 14. Juni 2014 in der Aula der Freien Waldorfschule Dinslaken aufgeführt wurde.

 Die Wahl von „Wir sind noch einmal davongekommen“ fiel den Schülern dabei nicht gerade einfach, da es darin von teilweise wirren und verwirrend scheinenden Konversationen nur so wimmelt und es der teilweise abstruse und auch böse Humor erschwert, das gesamte Werk nicht lächerlich erscheinen zu lassen. Die Gratwanderung zwischen schwarzer Komödie und tiefgehendem Sozialdrama verlangt den Schülern ihre gesamte Schauspielkunst ab.

„Wir sind noch einmal davongekommen“ handelt von einer amerikanischen Vorstadtfamilie, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kindern, die es immer wieder und mit viel Händeringen schafft, eine Katastrophe nach der anderen zu überleben. Zu Beginn des Stückes sieht sich die Familie um den erfinderischen Vater George Antrobus einer Eiszeit gegenüber und nachdem diese mit Hilfe des menschlichen Verstandes doch noch überstanden wird, muss sich die Familie auch sogleich mit einer Sintflut auseinandersetzen. Nachdem man auch von dieser „noch einmal davongekommen“ ist, überschatten jedoch der Krieg und familiäre Zwistigkeiten das Leben der Antrobusens.

Bevor die Schüler das überhaupt auf die Bühne bringen können, musste natürlich das Bühnenbild stehen, zu dessen Fertigstellung sich die Schüler in Arbeitsgruppen einteilten und durch ihre tatkräftige Arbeit somit eine weitere Hürde aus dem Weg geschafft wurde. Viele kleine oder große Requisiten wurden handwerklich selbst hergestellt oder aus dem privaten Fundus mitgebracht, ebenso wie das Bühnenbild und die Kostüme, welche fast vollständig von einer Gruppe Schülern gestaltet, genäht oder gebastelt wurden.

Die Klasse möchte weder eine typische Komödie, die lediglich auf die Lachmuskeln zielt, noch eine unglaublich schwere Kost, die noch Stunden später im Magen liegt, aufführen. Vielmehr geht es den Jugendlichen, die das Stück zu Teilen auch modernisierten, darum, zu zeigen, wie viele Probleme allgegenwärtig und schon immer vorhanden waren und immer vorhanden sein werden. Außerdem ist es für die Schauspiellaien eine aufregende Erfahrung zu erleben, wie sich ein Stück während der Entwicklungsphase noch wandelt und aus den kleinsten Rollen die interessantesten Zwischenspiele entstehen können. Fühlen Sie sich also eingeladen zu einem Abend voller Spaß, Nachdenklichkeit und der Frage, wie oft Sie schon davongekommen sind.

(Ein Artikel von Max Hecker, Schüler der 12. Klasse)